Mittwoch, März 24, 2010

Der Brief - Teil 3

... Die Frau schaut besorgt aus dem Fenster. "Vertraust du deinem Mann", hatte ihr gemeinsamer Freund sie gefragt. Sie dreht sich um: "Ja, ich vertraue ihm, aber..." "Aber du machst dir Sorgen", vollendet der Freund ihren Satz. Er sieht sie mit einem kleinen Lächeln an. "Ja", antwortet sie, "natürlich mache ich mir Sorgen - was soll ich den tun wenn er uns kein Geld schickt?!". Unruhig läuft sie im Zimmer auf und ab. Der Freund zeigt auf die Couch: "Setz dich doch", sagt er mit ruhiger Stimme, "deine Sorgen sind unbegründet".
Die Frau setzt sich auf die Couch und blickt traurig zu ihrem Freund: "Unbegründet? Woher willst du das wissen?". Der Freund setzt sich auf den Sessel neben der Couch und reicht ihr den Brief zurück. "Du hast mir den Brief deines Mannes gezeigt. Aber da ist doch noch etwas im Umschlag?" "Ja," antwortete sie, "aber das ist nur ein Stück Papier, mit dem ich nichts anzufangen weiß. Er schickt immer diese kleinen Papierstücke mit. Ich habe sie gesammelt - in der Annahme, dass er sie für unsere Unterlagen aufbewahren will..."
Der Freund schmunzelt nun: "Nun, diese Papiere sollen ganz bestimmt nicht in eure Unterlagen! Du heftest ja auch keine Geldnoten dort ab, oder?!" Verwirrt blickt die junge Frau auf: "Wie meinst du das denn?" "Nun, diese Papierscheine, sind keine wichtigen Unterlagen zum Abheften, sondern schlicht und ergreifend Checks. Checks, mit denen du schon vor Wochen zur Bank hättest gehen können, um sie dort in Bargeld einzutauschen. Dein Mann hat dir diese Checks geschickt, damit auf dem Postweg kein Geld verloren geht!" Er machte eine Pause und sah wie der Gesichtsausdruck seiner Freundin von Verwirrung zu Hoffnung wechselte. "Du meinst, ich habe die ganze Zeit Checks abgeheftet anstatt sie auf der Bank gegen Bargeld einzulösen?!" Erleichterung machte sich breit. "Ja, genau das meine ich". Die junge Frau sprang auf. Ungläubig schüttelte sie den Kopf. Tränen lief ihr über die Wangen. Tränen der Erleichterung und Freude.
Wie die Geschichte nun weitergeht, wissen wir nicht. Es ist wohl anzunehmen, dass die junge Frau noch am gleichen Tag zumindest einen Teil der Checks zur Bank brachte und einlöste. Es ist anzunehmen, dass ihre Sorgen und Ängste von ihr abfielen und sie ihrem Mann einen Brief schrieb - voller Dankbarkeit und Freude. Es ist anzunehmen, dass der Mann diesen Brief las und sich freute, dass seine Frau ihm zum ersten Mal in einem ihrer Briefe für seine Mühe und seinen Einsatz dankte.
Ist es nicht auch bei uns manchmal so? Haben nicht auch wir unsere Schwierigkeiten und Kämpfe, Gottes "Währung" in manchen Situationen zu verstehen? Sind nicht auch wir manchmal blind, für Gottes Message an uns? Weil wir eine ganz andere Antwort oder eine andere Art von Antwort erwartet haben?
Vielleicht gilt es manchmal zu warten. Vielleicht schweigt Gott manchmal eine Weile. Aber vielleicht gilt es manchmal auch einfach den Check einzulösen, den ER uns schon längst geschickt hat. Vielleicht gilt es manchmal seinen Zusagen zu glauben, die ER schon vor langer Zeit gemacht hat.
"Kann man wirklich noch mehr erwarten? Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dem Tod ausgeliefert. Sollte er uns da noch etwas vorenthalten?. (Römer 8,31+32, HfA)