Vor einigen Jahren haben wir formuliert, dass die Vineyard Heidelberg mit dem Ziel existiert: die Liebe Jesu in Heidelberg bekannt zu machen. Wir sind da, um Gottes Liebe in die Straßen und Wohnungen von Heidelberg zu tragen. Nicht nur, um Menschen bei uns zu sammeln, sondern aus dem Gemeindehaus raus zu gehen und dort die Liebe Jesu zu verkörpern. Wir sind zum Gehen berufen: geht in die Welt. Wenn das die Funktion ist, wie kann dann eine geeignete Form aussehen?
Bisher ist unsere Gemeinde organisiert wie die meisten Gemeinden: Gottesdienst und Hauskreise plus ein paar Arbeitsgruppen. Das Zentrum ist der Gottesdienst, weil dort alle zusammenkommen (obwohl wir lieber die Hauskreise als Zentrum hätten). Das führt dazu, dass man Leute zum Gottesdienst einlädt, dort mehr und mehr Leute kommen und es immer mehr zu einer Veranstaltung wird, die gut sein muss, um Leute anzusprechen. Außerdem merken wir über die letzten Monate, dass wir manchmal den Überblick verlieren. Wir können Neue nicht mehr so gut wahrnehmen und willkommen heißen. Wir erreichen auch nicht mehr alle wenn wir eine Aktion planen oder gemeinsam was angehen wollen.

Bei unsrer Suche nach Alternativen sind wir auf eine Idee aus England gestoßen: Gemeinschaften (dort Cluster genannt). Wir formen Gemeinschaften mit 30-70 Leuten in der Gemeinde, die eine Struktur zwischen Hauskreisen und Gottesdienst sind. Sie organisieren sich um eine Mission (einen besonderen Auftrag), feiern Gottesdienste zusammen, schaffen ihre eigene Identität und sind Teil der großen Gemeinde. Was passiert damit?
Die Gemeinde ist beziehungsorientiert
Durch die Gemeinschaften bleibt die Größe überschaubar. Innerhalb einer Gruppe kennen sich die Mitglieder gut und teilen ihr mehr Leben ein Stück mehr als in einer programmlastigen Gemeinde. Dadurch bleibt der Schwerpunkt auf Beziehungen. Menschen werden auch besser wahrgenommen und integriert.
Die Gemeinde ist missionsorientiert
Jede Gemeinschaft wächst um eine Mission. Sie hat ihren eigenen Auftrag, Schwerpunkt und Zielgruppe. Niemand in der Gemeinde wird einer Gruppe zugeteilt, sondern Menschen treffen sich rund um eine Mission. Wir sind auf der Suche nach Leuten, die ein Anliegen für eine bestimmte Sache haben. Dann wollen wir das wahrnehmen, stärken und unterstützen. Unsere erste Gemeinschaft trifft sich rund um die Idee von emerging church. Das ist wirklich der Punkt, wo die Funktion der Gemeinde verkörpert wird.
Die Gemeinde ist kreativorientiert
Durch die kleinere Gruppe, besteht mehr Raum für einzelne, ihre Gabe einzubringen. Wir schaffen damit Freiraum für Kreativität und Gaben. Da man in der Gruppe auch stärkere Beziehungen hat, ist das professionelle Niveau weniger wichtig als die Echtheit mit der man seinen Glaubenszugang zum Ausdruck bringt. Es ist eher möglich, was Paulus schreibt: wenn ihr zusammen kommt, bringe jeder etwas beizutragen (1. Kor 14, 26)
Die Gemeinde bleibt kleiner und wächst
Damit ergibt sich auch, dass wir Raum für Wachstum schaffen, ohne in eine Programm-Gemeinde abzurutschen. Wir schaffen Raum für Vielfalt und gleichzeitig wachsen wir in Einheit. Wir werden größer und kleiner gleichzeitig.
Wir funktioniert eine Gemeinschaft?
Ergibt sich die Frage, wie das konkret aussieht. Die Antwort: wir wissen es nicht. Wir sind am experimentieren, lernen, beobachten. Unser Plan bisher sieht so aus, dass im Endstadium die Gemeinschaften an drei Wochen im Monat ihren eigenen Gottesdienst feiern. Sie sind frei, das an beliebigem Ort, zu beliebiger Zeit und mit beliebiger Form zu tun. Ein Mal im Monat kommen dann alle Gemeinschaften zusammen und wir feiern einen großen Gottesdienst. Außerdem feiern wir die Festtage im Jahr auch zusammen: Weihnachten, Ostern, Pfingsten etc.
Die Gemeinschaft hat ihre eigene Leitung und ist für die Richtung innerhalb der Gemeinschaft selbst verantwortlich. Der Draht zur Gemeindeleitung erfolgt über Beziehungen und Verbindlichkeit.
Wie geht es weiter?
Langsam. Wir sind momentan in einer Übergangsphase. Die Idee gefällt uns und wir haben eine erste Gruppe, die als Gemeinschaft loslegt. Wir wissen nicht, was alles mit kommt und daher haben wir für vineyardkontakt eine Übergangsphase von 6 Monaten vereinbart (als Initiative). Im Januar schauen wir dann wo wir stehen.
Die normale Gemeinde bleibt weiter bestehen und wir schauen, ob wir weitere Gemeinschaften formen können. Vielleicht gibt es irgendwann eine HipHop-Gruppe, vielleicht eine für Ausländer. Wir sind offen, überstürzen aber nichts. Wichtig ist, dass Gott Bestätigung gibt und wir die richtigen Personen finden, die eine Gemeinschaft leiten können. Wir befinden uns also auf dem Weg. Vieles ist offen. Klar ist nur, dass wir die Form aus der Funktion ableiten wollen.
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